Niemand mag Geschichten mit offenem Ende.Niemand.

Diese Zeile von Brandi Carlisle aus dem Song The Story  erinnern mich immer daran, dass ich als Kind unbedingt Schriftstellerin werden wollte. Für alle, die das Lied nicht kennen- Die erste Strophe lautet wie folgt:

All of these lines across my face
Tell you the story of who I am
So many stories of where I’ve been
And how I got to where I am
But these stories don’t mean anything
When you’ve got no one to tell them to
It’s true… I was made for you

(http://www.songtexte.com/songtext/brandi-carlile/the-story-43d69767.html)

Ich habe die selbst geschriebenen Geschichten aus der dritten, vierten, siebten Klasse heute noch. Das Problem? Keine einzige Geschichte ist beendet. Ich habe niemals ein Ende geschrieben.

Ich weiß nicht, ob ich mich nicht zwischen Drama und Happy-End und Drama mit Happy-End entscheiden konnte. Vielleicht war es auch der unbewusste Wunsch, meine Figuren nicht loslassen zu müssen, mich nicht von ihnen loseisen zu müssen. Ich mag nämlich keine Abschiede. Sie kommen mir verkrampft und unförmig vor, wie ein Luftballon, den man in eine Dose stopfen möchte. Man muss ganz doll aufpassen, dass er bei all dem Drücken nicht platzt, aber eigentlich möchte man ihn gar nicht einpacken, weil man ihn dann nicht mehr sieht. (Falls sich jemand über die nicht vorhandene Logik dieses Vergleichs wundert: Das entstammt der Fantasie meines siebenjährigen Ichs und mein heutiges Ich findet den Vergleich realitätsnaher, als er vielleicht jemals gedacht war. Nur soviel dazu.)

Jedenfalls kam mir bei dem eben zitierten Songtext in den Kopf, dass es viel Schlimmeres gibt als Abschiede. Ich meine, jeder hatte doch einen Lieblingsfilm, der als Cliffhanger endet und einen damit in den absoluten Wahnsinn trieb, oder?

Eigentlich meine ich, dass Ungewissheit unerträglich schlimmer ist als traurige Gewissheit.  Wenn sich die Eltern trennen, ist es meiner Meinung nach besser, wenn das kleine Mädchen weiß, dass Daddy nie zurückkommen wird, weil er und Mummy sich ganz schlimm gestritten haben, als dass es jeden Abend darauf wartet, dass Daddy „bestimmt irgendwann aus dem Urlaub wiederkommt“. Es ist besser, dabei zu sein, wenn es für Oma Zeit ist, zu gehen. Besser, als sich nachher vorzuwerfen, was man noch hätte sagen wollen/können/müssen und dabei nie zu wissen, ob man ein einziges Wort hätte hervorbringen können. Wie sagt man doch gleich: ,,Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“.

Aber was ist, wenn die Figuren  den Punkt im Leben erreicht haben, bis zu dem Du Dir Dein Leben ausgemalt hast- und ab dem Du nicht weißt, wie es weitergehen soll? Wenn die Geschichten so eng mit Deiner eigenen -bewusst oder unbewusst, offensichtlich oder nicht- verflochten sind, dass Du sie erst zu Ende bringen kannst, wenn Du Antworten für Deine eigene gefunden hast?

Und ich glaube, das ist der Grund, aus dem ich all die Geschichten aufgehoben habe. Sie waren alle vollkommen unterschiedlich und so waren es auch meine Träume. Vielleicht wollte ich nicht den Teufel- oder den Engel, wer weiß- an die Wand malen, in dem ich meine Figuren an ihr Ende bringe, bevor ich weiß, was sie und mich dort erwartet. Vielleicht wollte ich meinen Weg nicht festlegen, bevor ich seine Richtung erahnen konnte. Mir alle Wege offen halten.

Vielleicht war ich auch einfach ein Kind mit einer lebhaften Fantasie, aber zu wenig Geduld.

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